Ein Tiefbiss zählt zu den häufigsten Zahnfehlstellungen und betrifft sowohl Kinder als auch Erwachsene. Er liegt vor, wenn die oberen Schneidezähne die unteren beim Schließen des Mundes zu mehr als zwei Dritteln überdecken. Im Idealfall sollten die oberen Zähne die unteren nur um etwa zwei bis drei Millimeter überlappen. Bei Vorhandensein eines Tiefbisses ist dieser Überbiss jedoch deutlich ausgeprägter, sodass die unteren Frontzähne kaum sichtbar sind.
In schweren Fällen berühren die unteren Zähne sogar das Zahnfleisch hinter den oberen Frontzähnen. Diese Fehlstellung wird auch als Deckbiss bezeichnet, wobei der Unterschied in der Ausprägung liegt: Ein Deckbiss beschreibt die extremere Form, bei der die unteren Zähne komplett verdeckt werden.
In unserer Praxis für Kieferorthopädie (KFO) entwickeln wir für unsere Patienten passende Lösungen wie eine individuell angefertigte Zahnspange für eine erfolgreiche Korrektur der Zahnfehlstellung.
Die Entstehung eines Tiefbisses kann auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden:
Eine familiäre Häufung von Kieferfehlstellungen erhöht das Risiko eines Tiefbisses erheblich. Die Kieferstruktur und Zahnstellung werden zu einem großen Teil vererbt. Wenn bereits die Eltern eine ähnliche Fehlstellung haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch die nächste Generation betroffen ist. Genetische Faktoren bestimmen dabei nicht nur die Größenverhältnisse zwischen Ober- und Unterkiefer, sondern auch die Zahnform und -anzahl.
Wenn der Unterkiefer im Vergleich zum Oberkiefer zu wenig oder der Oberkiefer zu stark wächst, entsteht ein Missverhältnis, das sich in Form eines Tiefbisses manifestiert. Solche Wachstumsabweichungen können durch hormonelle Störungen, Mangelernährung oder chronische Erkrankungen verursacht werden und zu einer Fehlstellung des Kiefers führen.
Auch eine ungünstige Körperhaltung während der Wachstumsphase kann die Kieferentwicklung beeinflussen. Der Kieferorthopäde kann Sie bei entsprechenden Auffälligkeiten beraten. Je früher diese Störungen erkannt werden, desto besser lassen sie sich kieferorthopädisch korrigieren, da das Wachstum noch gezielt gesteuert werden kann.
Wenn Kinder am Daumen lutschen oder den Schnuller über das dritte Lebensjahr hinaus nutzen, kann dies die Kieferentwicklung negativ beeinflussen und zu einer Fehlstellung führen. Auch Angewohnheiten wie Zungenpressen üben dauerhaften Druck auf Zähne und Kiefer aus, wodurch sich die Zahnbögen verformen. Besonders kritisch wird es, wenn diese Gewohnheiten über mehrere Jahre bestehen bleiben. Auch nächtliches Zähneknirschen oder ständiges Kauen auf Gegenständen kann die Bisslage verändern und einen Tiefbiss begünstigen.
Gehen die Milchzähne zu früh verloren, können die verbleibenden Zähne in die Lücken wandern und die normale Bissentwicklung stören. Milchzähne dienen im Gebiss der Kinder als Platzhalter für die bleibenden Zähne, weshalb ihr frühzeitiger Verlust problematisch ist. Die Backenzähne kippen nach vorn, während die Frontzähne ihre Position verändern. Ohne entsprechende Platzhalter verschiebt sich die gesamte Zahnreihe, was häufig zu komplexen Fehlstellungen führt. Der Kieferorthopäde kann in diesem Fall geeignete Maßnahmen empfehlen.
Eng stehende oder gedrehte Zähne können ebenfalls zur Ausbildung eines Tiefbisses beitragen. Wenn im Kiefer nicht ausreichend Platz vorhanden ist, weichen die Zähne vertikal aus und verstärken den Überbiss. Häufig liegt gleichzeitig ein Engstand vor, bei dem sich die Zähne gegenseitig blockieren. Diese Kombination verschiedener Fehlstellungen erschwert die Behandlung und erfordert eine umfassende kieferorthopädische Planung.
Ohne entsprechende Behandlung in der Kieferorthopädie, wie z. B. mit einer Zahnspange, können sich verschiedene Probleme entwickeln:
Erhöhter Zahnabrieb durch permanentes Reiben der Schneidezähne
Zahnfleischverletzungen und Entzündungen am Gaumen
Kiefergelenksprobleme mit Knackgeräuschen und eingeschränkter Mundöffnung
Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen als Symptome
Beeinträchtigte Kaufunktion und erschwerte Nahrungsaufnahme
Ästhetische Einschränkungen mit negativen Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein
Eine Tiefbiss-Behandlung beim Kieferorthopäden ist immer dann sinnvoll, wenn die Zahnfehlstellung zu Beschwerden führt oder solche zu erwarten sind. Bei Kindern empfiehlt sich eine frühzeitige Vorstellung in der Kieferorthopädie, idealerweise ab dem sechsten Lebensjahr. Aber auch eine Tiefbiss-Behandlung oder Deckbiss-Behandlung bei Erwachsenen ist problemlos möglich und führt zu erfolgreichen Ergebnissen. Wir analysieren jeden Fall unserer Patienten individuell und beraten Sie umfassend zu den Möglichkeiten.
Die Korrektur eines Tiefbisses in der Kieferorthopädie erfolgt abhängig vom Alter und der Ausprägung der Fehlstellung. Verschiedene Behandlungsmethoden stehen zur Verfügung:
Herausnehmbare Zahnspange für Kinder:
Funktionskieferorthopädische Geräte zur Steuerung des Kieferwachstums
Aktive Platten zur gezielten Zahnbewegung
Behandlungsdauer von ein bis drei Jahren
Feste Zahnspange für Jugendliche und Erwachsene:
Präzise Zahnbewegungen über Brackets und Drähte
Kontinuierliche Krafteinwirkung für optimale Ergebnisse
Behandlungsdauer zwischen 18 und 36 Monaten
Unsichtbare Aligner:
Transparente Schienen als ästhetische Alternative
Geeignet für leichte bis mittelschwere Fälle
Behandlungsdauer etwa 12 bis 24 Monate
Bei einer ausgeprägten Zahnfehlstellung kann eine Kombination aus kieferorthopädischer Behandlung und chirurgischer Korrektur des Kiefers notwendig sein. Eine Deckbiss-Behandlung erfolgt nach denselben Prinzipien wie die Tiefbiss-Korrektur. Ihr Kieferorthopäde klärt mit Ihnen, welche Behandlungsmethode in Ihrem Fall die passende ist.
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Jetzt Termin vereinbarenEin Tiefbiss ist nicht unmittelbar gefährlich, kann jedoch langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen. Zahnabrieb, Kiefergelenksbeschwerden und Schmerzen sind mögliche Folgen der Zahnfehlstellung, die sich durch eine rechtzeitige Behandlung vermeiden lassen.
Nein, er bildet sich nicht von allein zurück. Ohne kieferorthopädische Behandlung bleibt die Fehlstellung bestehen oder verschlimmert sich möglicherweise. Eine frühzeitige Korrektur ist daher empfehlenswert.
Ob für Kinder oder Erwachsene, die Behandlung selbst ist nicht schmerzhaft. Nach dem Einsetzen oder Anpassen einer Zahnspange können für einige Tage leichte Druckgefühle oder Empfindlichkeiten auftreten, die jedoch schnell nachlassen.
Bei leichten bis mittelschweren Fällen sind Aligner eine wirksame Option. Eine stark ausgeprägte Zahnfehlstellung erfordert jedoch oft eine feste Zahnspange oder eine kombinierte Herangehensweise. Eine individuelle Einschätzung in unserer Praxis für Kieferorthopädie gibt Klarheit.
Die Kosten variieren je nach Behandlungsmethode und Aufwand. Bei Kindern und Jugendlichen übernehmen die Krankenkassen bei medizinischer Notwendigkeit einen Großteil der Kosten. Für Erwachsene liegen die Kosten bei 2.000 bis 8.000 Euro. Ihr Kieferorthopäde erstellt Ihnen einen individuellen Kostenplan.